Angelbleie und Gewichte: Formen, Größen, Wurfgewicht und bleifreie Alternativen

Vom Schrotblei bis zum Krallenblei: Welche Gewichtsform wofür gebaut ist, wie sie zum Wurfgewicht der Rute passt – und warum Blei am Gewässer ein echtes Umweltproblem ist.

Stand: 2026-0810 Abschnitte~5 Min. Lesezeit

Von Volkan Alici, Petri-Labs, Hamburg · Stand 2026-08

Wozu Gewicht an der Montage überhaupt dient

Sortiment verschiedener Grundbleie in unterschiedlichen Formen und Gewichten

Ein Gewicht an der Montage erfüllt gleich mehrere Aufgaben, die sich gegenseitig beeinflussen: Es bringt den fast gewichtslosen Köder überhaupt erst auf Wurfweite, hält ihn auf der gewünschten Tiefe, verankert ihn gegen Strömung und Wind an einer Stelle – und stellt zugleich den Kontakt zwischen Köder und Rutenspitze her, über den ein Biss überhaupt spürbar wird. Jede dieser Aufgaben zieht in eine andere Richtung: Mehr Gewicht bringt Weite und Standfestigkeit, kostet aber Feingefühl und lässt den Fisch beim Anbiss früher Widerstand spüren. Die gesamte Bleikunde besteht im Kern darin, für die jeweilige Situation den kleinsten Wert zu finden, der die Aufgabe noch erfüllt.

Gramm, Unzen und das Wurfgewicht der Rute

Angelgewichte werden in Deutschland in Gramm angegeben, im Meeres- und Importbereich häufig in Unzen (1 oz ≈ 28,35 g). Der entscheidende Bezugswert steht auf dem Rutenblank: das Wurfgewicht, meist als Spanne wie „10–40 g“. Diese Spanne meint das Gesamtgewicht der geworfenen Montage – Blei plus Köder plus Futterkorb –, nicht nur das Blei. Wer sie dauerhaft überschreitet, überlastet den Blank und riskiert einen Bruch beim Wurf; wer dauerhaft weit darunter bleibt, bekommt die Rute nicht aufgeladen und verliert Wurfweite und Bissanzeige. Am saubersten arbeitet eine Rute meist im oberen Mittelfeld ihrer Spanne.

Schrotblei: die feine Abstimmung

Geschlitzte Schrotbleie zum Aufklemmen auf die Angelschnur

Schrotbleie sind kleine, geschlitzte Kugeln, die mit der Zange auf die Schnur geklemmt werden – das klassische Werkzeug zum Ausbleien einer Pose und zum Beschweren feiner Montagen. Sie werden in genormten Größenbezeichnungen verkauft und lassen sich in Reihe setzen, um die Sinkgeschwindigkeit des Köders gezielt zu steuern: eng beieinander sinkt der Köder schnell und gerade, weit verteilt trudelt er langsam und natürlicher herab. Wichtig ist ein sauberes Aufklemmen ohne Quetschen – ein zu fest zusammengedrücktes Schrotblei kerbt die Schnur an und macht sie an genau dieser Stelle zur Sollbruchstelle.

Laufblei, Birnenblei und Sargblei

Längliches Angelblei mit Öse neben einem Maßstab

Für das Grundangeln haben sich drei Grundformen durchgesetzt. Das durchbohrte Laufblei (Olive) läuft frei auf der Hauptschnur und ist der Kern der Durchlaufmontage – der Fisch kann Schnur abziehen, ohne das Gewicht sofort zu spüren. Das Birnenblei mit Öse hängt an Wirbel oder Seitenarm, sitzt auf weichem Grund stabil und wirft sich wegen seiner Form ruhig und weit. Das flache Sargblei rollt auf abschüssigem Grund weniger weg und liegt auch bei leichter Strömung ruhig. Welche Form passt, entscheidet weniger die Zielfischart als der Boden: schlammig, sandig, kiesig oder steinig.

Krallen- und Brandungsbleie für Strömung

In starker Strömung und in der Brandung reicht Gewicht allein nicht aus – ein rundes Blei rollt einfach weg und zieht die ganze Montage mit sich. Krallenbleie tragen deshalb abstehende Drahtbügel, die sich im Sand verankern und die Montage auch bei kräftigem Sog an Ort und Stelle halten; bei manchen Modellen klappen die Krallen beim Einholen nach hinten weg, damit sich das Blei nicht beim Zurückkurbeln festsetzt. Für die Brandungsangelei sind zudem tropfenförmige, aerodynamische Formen üblich, die sich mit 100 bis 200 g Gewicht noch weit werfen lassen. In solchen Gewichtsklassen ist eine passende Schlagschnur Pflicht, sonst reißt die dünnere Hauptschnur beim Wurf.

Verlustmontagen: gewollt abreißende Bleie

An steinigem, verkrautetem oder mit Totholz durchsetztem Grund ist ein Hänger keine Ausnahme, sondern der Regelfall. Eine Verlustmontage bindet das Blei deshalb bewusst über eine schwächere Verbindung an – etwa ein kurzes Stück dünnerer Schnur am Seitenarm. Bleibt das Blei hängen, reißt allein diese Verbindung, und Vorfach, Haken und ein möglicherweise gehakter Fisch kommen zurück. Der Preis ist ein zurückbleibendes Gewicht im Gewässer, was direkt zum nächsten Punkt führt: Genau hier ist bleifreies Material kein Luxus, sondern die naheliegende Wahl.

Blei ist ein Umweltproblem

Blei ist ein Schwermetall, das sich in Organismen anreichert und dort das Nervensystem schädigt. Im Gewässer bleiben abgerissene Bleie dauerhaft liegen; kleine Gewichte werden von Wasservögeln zusammen mit Kies als Magensteine aufgenommen und können tödlich wirken. Für den Angler selbst ist der Kontakt beim gelegentlichen Aufklemmen unkritisch, solange nicht mit den Fingern gegessen wird und Bleie nicht – wie früher verbreitet – mit den Zähnen zusammengedrückt werden. Beides ist heute leicht vermeidbar, und die Menge an Blei, die jährlich in europäischen Gewässern zurückbleibt, ist erheblich.

Bleifreie Alternativen

Für praktisch jede Anwendung gibt es Ersatz: Bleie aus Zinn, Stahl, Wolfram oder Wismut sind seit Jahren verfügbar. Wolfram ist dabei sogar dichter als Blei, baut also bei gleichem Gewicht weniger Volumen auf – ein Vorteil bei feinen Montagen –, ist dafür deutlich teurer. Zinn und Stahl sind günstiger, brauchen bei gleichem Gewicht aber mehr Volumen und sind härter, lassen sich also nicht wie Schrotblei mit den Fingern verformen. Für Grund- und Brandungsbleie ist der Umstieg unproblematisch, bei sehr feinen Schrotbleien ist die Auswahl noch kleiner. Wer ohnehin neu kauft, kann den Wechsel schrittweise machen, statt alles auf einmal zu ersetzen.

Rechtlicher Stand

Ein bundesweites Verbot von Bleigewichten beim Angeln besteht in Deutschland zum Stand dieses Artikels nicht. Auf EU-Ebene läuft seit Jahren ein Beschränkungsverfahren zu Blei in Munition und Angelgeräten unter der Chemikalienverordnung REACH; einzelne europäische Staaten haben bereits eigene Beschränkungen erlassen. Unabhängig davon können Gewässerordnungen, Naturschutzgebietsverordnungen und Vereinsregeln Bleigewichte schon heute lokal verbieten oder begrenzen – insbesondere in Vogelschutz- und Naturschutzgebieten. Da sich dieser Rechtsstand ändern kann, gilt wie überall im Fischereirecht: Maßgeblich ist die aktuelle Fassung der jeweiligen Verordnung und die Angelkarte, nicht dieser Überblick.

Aufbewahrung und Handhabung

Gewichte gehören in eine eigene, verschließbare Box, nicht lose in die Jackentasche – dort scheuern sie an Schnurspulen und Ködern und gehen beim Umpacken verloren. Nach dem Hantieren mit Blei vor dem Essen die Hände waschen; Bleie nie mit dem Mund festhalten oder mit den Zähnen zusammendrücken. Abgerissene Montagen, die sich bergen lassen, gehören mitgenommen statt liegengelassen: Schnur mit Blei am Ufer ist für Vögel eine der häufigsten Verletzungsursachen an Angelgewässern.

Meine Empfehlung

Ich packe für jeden Angeltag ein bis zwei Gewichtsstufen mehr ein, als ich für nötig halte – Strömung und Wind lassen sich vom Ufer aus schlechter einschätzen, als man denkt, und ein zu leichtes Blei treibt die ganze Montage aus der Zone.

Petri-Labs entwickelt außerdem Petri-KI, eine App, die Fischart, Schonzeit und Mindestmaß am Wasser prüft und das Fangbuch führt. Mehr über Petri-KI.

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