Der Kescher ist keine Bequemlichkeit, sondern Tierschutz

Ein Fisch, der über Steine ans Ufer gezogen oder an der Schnur aus dem Wasser gehoben wird, nimmt in wenigen Sekunden Schäden, die ein Zurücksetzen sinnlos machen: Die Schleimhaut reißt auf, das Maulgewebe trägt das volle Körpergewicht, und bei größeren Fischen kann die Wirbelsäule Schaden nehmen. Der Kescher nimmt diese Last ab und verkürzt zugleich die Zeit, in der Fisch und Angler um die Landung ringen. Deshalb gehört er in praktisch jeder Gewässerordnung zur Pflichtausrüstung – und ist in der Fischerprüfung Teil der Gerätekunde, nicht ein optionales Zubehör.
Netzmaterial: knotenlos ist der entscheidende Punkt
Das mit Abstand wichtigste Merkmal ist das Netzmaterial. Geknotete Netze aus grober Schnur wirken an jedem Knotenpunkt wie eine kleine Klinge auf der Schleimhaut und reiben sie großflächig ab – genau die Schutzschicht, die den Fisch vor Bakterien und Pilzen bewahrt (siehe Ratgeber-Artikel zu Fischkrankheiten). Knotenlose Netze verteilen den Druck dagegen auf durchgehende Maschen. Noch schonender sind gummierte oder vollständig aus Silikon gefertigte Netze: Sie nehmen kaum Schleim auf, trocknen schnell und sind der einzige Netztyp, in dem sich ein Drilling nicht sofort hoffnungslos verheddert. Für Raubfischangler mit Kunstködern ist das Gummi-Netz deshalb weniger eine Komfort- als eine Zeitfrage – jede Minute, die ein Fisch im verhedderten Netz verbringt, zählt.
Bügelgröße, Form und Tiefe
Der Kescherbügel muss zum größten realistisch zu erwartenden Fisch passen, nicht zum Durchschnittsfang – ein zu kleiner Kescher ist im entscheidenden Moment schlicht unbrauchbar. Als grobe Orientierung: Für Forellen und Weißfisch genügen 50 bis 60 cm Bügelbreite, für Hecht, Zander und Karpfen sind 70 bis 100 cm üblich. Runde Bügel sind handlich, dreieckige und trapezförmige lassen sich besser an steilen Ufern und Bootswänden führen und liegen flach auf. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Netztiefe: Ein flaches Netz lässt große Fische wieder herausschlagen, ein tiefes hält sie sicher, ohne dass der Bügel angehoben werden muss.
Stiellänge, Watkescher und Bootskescher
Die Stiellänge richtet sich nach dem Abstand zum Wasser. Am flachen Ufer reicht ein kurzer Stiel; an Steilufern, Spundwänden und Brücken braucht es teleskopierbare Stiele von zwei bis vier Metern, die allerdings mit steigender Länge spürbar an Steifigkeit verlieren – ein schwerer Fisch am ausgefahrenen Vier-Meter-Stiel ist schwer zu kontrollieren. Watkescher sind bewusst klein, leicht und werden am Rücken getragen, oft mit einer Magnetverbindung zum schnellen Lösen mit einer Hand. Bootskescher haben kurze Stiele und tiefe Netze, weil der Fisch von oben und aus geringer Höhe aufgenommen wird.
Der Setzkescher: rechtlich der heikelste Punkt

Ein Setzkescher hältert gefangene Fische lebend im Wasser – und ist damit etwas ganz anderes als der Landekescher. Rechtlich ist er in Deutschland umstritten und uneinheitlich geregelt: Mehrere Bundesländer verbieten die Hälterung im Setzkescher ganz oder lassen sie nur unter engen Bedingungen zu, weil ein längeres Verwahren lebender Fische auf engem Raum als vermeidbares Leiden im Sinne des Tierschutzgesetzes gewertet wird. Wo er erlaubt ist, gelten meist Mindestmaße für Länge und Durchmesser, die Pflicht zu knotenlosem Material und die Vorgabe, ihn vollständig im Wasser und in ausreichender Tiefe zu führen. Verbindlich sind allein das Fischereirecht des jeweiligen Bundeslandes und die Gewässerordnung – wer unsicher ist, entnimmt und tötet den Fisch weidgerecht oder setzt ihn sofort zurück, statt zu hältern.
Weitere Vorgaben aus Landesrecht und Gewässerordnung
Neben dem Setzkescher regeln Landesfischereiverordnungen und Gewässerordnungen häufig weitere Punkte: die Pflicht, überhaupt einen Kescher mitzuführen, das Verbot des Gaffs (eines Hakens zum Aufspießen des Fisches) für Fische, die zurückgesetzt werden könnten, sowie Vorgaben zur Abhakmatte beim Karpfenangeln. In einigen Ländern und an vielen Vereinsgewässern ist das Gaff vollständig verboten. Wie überall im Fischereirecht gibt es dazu keine bundeseinheitliche Regel – die Angelkarte und die Gewässerordnung sind die maßgebliche Quelle, dieser Artikel nur die Orientierung.
Richtig keschern: die Technik
Der häufigste Fehler ist, dem Fisch mit dem Kescher hinterherzujagen. Richtig ist das Gegenteil: Der Kescher wird ruhig ins Wasser gehalten, und der Fisch wird mit der Rute darüber geführt – erst dann wird der Bügel angehoben. Grundsätzlich immer mit dem Kopf voran keschern; ein Fisch schwimmt nicht rückwärts und flüchtet deshalb zwangsläufig ins Netz statt heraus. Zu frühes Keschern ist der zweithäufigste Fehler: Ein noch nicht ausgedrillter Fisch schlägt am Netzrand ab, und genau in diesem Moment reißen die meisten Vorfächer. Beim Anheben trägt der Bügel das Gewicht, nicht der Stiel – ein langer Teleskopstiel bricht sonst genau dort, wo der Fisch schon im Netz liegt.
Der Fisch ist im Netz – was jetzt zählt
Ab dem Moment im Netz läuft die Zeit. Wer den Fisch zurücksetzen will, lässt den Kescher im Wasser und löst den Haken direkt darin, ohne ihn herauszuheben. Vorher gehören Hände oder Handschuhe nass gemacht und alles bereitgelegt, was gebraucht wird: Lösezange, Maßband, gegebenenfalls Kamera. Für größere Fische, die an Land müssen, ist eine nasse Abhakmatte Pflicht – ein Fisch auf trockenem Kies, Beton oder Wiese verliert seine Schleimhaut in Sekunden. Und der Fisch bleibt nie im aus dem Wasser gehobenen Kescher liegen, während anderes vorbereitet wird; im hängenden Netz drückt sein eigenes Gewicht auf die inneren Organe.
Hygiene: ein Kescher verschleppt Krankheiten
Ein feuchtes Netz transportiert Erreger und Parasiten zuverlässig von einem Gewässer ins nächste – bei anzeigepflichtigen Fischseuchen ist das keine theoretische Sorge, sondern ein realer Ausbreitungsweg (siehe Ratgeber-Artikel zu Fischkrankheiten). Deshalb: Kescher nach jedem Angeltag gründlich ausspülen und vollständig durchtrocknen lassen, bevor er an ein anderes Gewässer mitgeht. Nach einem Gewässer mit bekanntem Krankheitsgeschehen zusätzlich desinfizieren. Vollständiges Durchtrocknen ist dabei die einfachste und wirksamste Maßnahme – die meisten Fischkrankheitserreger überleben es nicht.
Pflege und Lebensdauer
Ein nass zusammengelegter Kescher schimmelt, wird brüchig und riecht; ein UV-geschädigtes Netz reißt genau dann, wenn der größte Fisch des Jahres darin liegt. Netze deshalb offen und im Schatten trocknen lassen, nicht dauerhaft in der prallen Sonne im Auto lagern. Bügelgelenke und Teleskopverschlüsse gelegentlich auf Spiel und Risse prüfen – gerade Klemmverschlüsse an langen Stielen sind die typische Schwachstelle. Ein Netz mit Loch gehört ersetzt, nicht geflickt: Ein zugeknotetes Loch ist wieder genau die geknotete Kante, die man mit einem knotenlosen Netz vermeiden wollte.