Das kleinste Teil der Montage entscheidet am meisten

Von der gesamten Ausrüstung ist der Haken das einzige Teil, das den Fisch tatsächlich berührt – und zugleich das billigste. Genau darin liegt der häufigste Fehler: An Rute und Rolle wird lange verglichen, der Haken wird nebenbei mitgenommen. Dabei entscheidet er darüber, ob ein Biss überhaupt hält, wo im Maul er fasst, wie schwer er sich wieder lösen lässt und wie gut ein zurückzusetzender Fisch den Fang übersteht. Ein stumpfer, zu großer oder zur Ködergröße unpassender Haken macht jede sonst richtige Montage wertlos.
Die Teile eines Hakens

Jeder Haken besteht aus denselben Bauteilen, und ihre Bezeichnungen tauchen in jeder Produktbeschreibung wieder auf. Das Öhr (englisch eye) am oberen Ende nimmt Schnur oder Vorfach auf. Daran schließt der Schenkel an (shank), der gerade Teil, dessen Länge über die Ködermontage mitentscheidet. Der Bogen (bend) führt in die Spitze (point), an der bei den meisten Modellen der Widerhaken (barb) als kleine, nach hinten gerichtete Sperre sitzt. Der Abstand zwischen Spitze und Schenkel heißt Hakenöffnung oder Spalt (gap) – er bestimmt, wie viel Maulgewebe der Haken fassen kann und damit, wie sicher er hält.
Hakengrößen: die verwirrende Zahlenreihe
Die gängige Größenskala läuft gegenläufig und stiftet bei Einsteigern zuverlässig Verwirrung: Bei den einfachen Zahlen wird der Haken mit steigender Zahl kleiner – Größe 20 ist ein winziger Made- oder Friedfischhaken, Größe 6 schon deutlich kräftiger, Größe 1 groß. Oberhalb von Größe 1 kippt die Skala auf die Bezeichnungen mit Schrägstrich um, und dort wächst der Haken mit der Zahl: 1/0 (gesprochen „eins null“) ist größer als 1, 6/0 ein kräftiger Meeres- oder Welshaken. Verbindlich genormt ist diese Skala nicht – Größe 4 fällt je nach Hersteller und Modellreihe spürbar unterschiedlich aus, weshalb ein Vergleich am Regal oder anhand der Millimeterangabe zuverlässiger ist als die Nummer allein.
Die Hakengröße richtet sich nach dem Köder, nicht nach dem Fisch
Die verbreitetste Fehlannahme lautet, ein großer Zielfisch brauche einen großen Haken. Maßgeblich ist zuerst der Köder: Er muss natürlich am Haken sitzen, ohne von ihm erdrückt oder verdeckt zu werden. Eine einzelne Made verlangt einen sehr kleinen, feindrähtigen Haken, ein ganzer Tauwurm einen mittleren mit langem Schenkel, ein handgroßer Köderfisch einen entsprechend großen. Erst danach kommt die Gegenprobe: Passt der so gewählte Haken zum Maul des erwarteten Fisches und zur Tragkraft von Schnur und Vorfach? Ein zu großer Haken wird von vorsichtigen Fischen erkannt und wieder ausgespuckt, ein zu kleiner reißt bei kräftigen Fischen aus oder wird tief geschluckt.
Hakenformen und ihre Einsatzgebiete
Neben der Größe unterscheiden sich Haken vor allem in der Form des Bogens und der Länge des Schenkels. Rundbogenhaken sind der vielseitige Standard für Naturköder. Langschenklige Haken erleichtern das Aufziehen länglicher Köder wie Wurm oder Made und lassen sich leichter wieder lösen, weil der Schenkel als Hebel aus dem Maul ragt. Kurzschenklige, weit geöffnete Formen sitzen unauffälliger im Köder und werden dort bevorzugt, wo der Fisch den Köder genau prüft. Kreishaken (Circle Hooks) sind ein Sonderfall: Ihre nach innen gebogene Spitze hakt beim Abziehen des Fisches fast zwangsläufig im Maulwinkel statt im Schlund – deshalb wird bei ihnen bewusst nicht angeschlagen, sondern gleichmäßig Druck aufgebaut. Genau das macht sie dort beliebt, wo Fische zurückgesetzt werden sollen.
Einzelhaken, Zwilling und Drilling
Der Einzelhaken ist der Standard beim Naturköder- und Friedfischangeln und zugleich der fischschonendste, weil er nur an einer Stelle fasst. Zwillinge (zwei Spitzen) und Drillinge (drei Spitzen) sitzen vor allem an Kunstködern wie Wobbler, Blinker und Spinner, weil ein aktiv geführter Köder sonst zu oft nur gestreift wird. Der Preis dafür ist ein deutlich höheres Verletzungsrisiko: Ein Drilling kann gleichzeitig Maul und Kiemendeckel fassen, verhakt sich im Kescher und ist beim Lösen für Fisch und Angler die gefährlichste Variante. Viele Angler ersetzen deshalb an Wobblern die Drillinge durch Einzelhaken – meist mit nur geringfügig schlechterer Hakenquote, aber erheblich einfacherem Lösen.
Widerhaken und widerhakenlose Haken

Der Widerhaken verhindert, dass der Haken bei nachlassender Schnurspannung wieder herausrutscht – und genau derselbe Mechanismus macht das Lösen zum Problem: Er muss auf demselben Weg zurück, den er beim Eindringen genommen hat, und reißt dabei Gewebe auf. Ein widerhakenloser Haken (oder ein Haken, dessen Widerhaken mit der Zange angedrückt wurde) gleitet dagegen meist mit einer einzigen Bewegung heraus, oft ohne dass der Fisch aus dem Wasser muss. Die weit verbreitete Sorge, damit ständig Fische zu verlieren, bestätigt sich in der Praxis nur bei nachlässigem Drill: Solange die Schnur konstant unter Spannung bleibt, ist der Unterschied gering. Wo Fische regelmäßig zurückzusetzen sind, ist der angedrückte Widerhaken deshalb die wirksamste Einzelmaßnahme für ein schonendes Rücksetzen.
Öhr, Plättchen und die passende Knotenwahl

Am oberen Ende tragen Haken entweder ein Öse-Öhr aus umgebogenem Draht oder ein flach geschmiedetes Plättchen. Ösenhaken sind der Normalfall und lassen sich mit den gängigen Knoten direkt anbinden. Plättchenhaken werden vor allem beim Karpfen- und Fliegenfischen genutzt und verlangen einen Knoten, der am Schenkel entlang gewickelt wird (klassisch der Knotenlos-Knoten beim Haar-Rig), weil ein einfaches Anbinden am Plättchen abrutschen würde. Öhre gibt es zudem gerade, nach oben oder nach unten abgebogen – die Abwinkelung verändert den Winkel, in dem die Spitze beim Zug ansetzt. Welcher Knoten zu welcher Verbindung passt, steht im Knoten-Nachschlagewerk der App.
Material, Drahtstärke und Korrosion
Feindrähtige Haken dringen leichter ein, verbiegen aber bei kräftigen Fischen; starkdrähtige halten mehr aus, brauchen dafür einen härteren Anschlag und hinterlassen eine größere Wunde. Für das Süßwasser genügt einfacher Kohlenstoffstahl, oft brüniert oder beschichtet; im Salzwasser rostet er innerhalb von Stunden, weshalb dort korrosionsbeständige Legierungen oder Beschichtungen üblich sind. Rostende Haken haben allerdings einen unterschätzten Vorteil: Muss bei tief geschlucktem Haken das Vorfach abgeschnitten werden, löst sich ein einfacher, unbeschichteter Stahlhaken im Fisch mit der Zeit auf – bei stark beschichteten oder rostfreien Modellen dauert das erheblich länger.
Hakenschärfe prüfen und nachschärfen
Die einfachste Kontrolle ist der Fingernagelprobe: Die Hakenspitze mit leichtem Druck über den Daumennagel ziehen – hakt sie sofort und rutscht nicht weg, ist sie scharf. Rutscht sie ab, gehört der Haken geschärft oder gewechselt. Stumpf werden Haken schneller als gedacht, vor allem an steinigem Grund, nach Hängern und nach jedem gelandeten Fisch mit hartem Maul (Zander, Hecht, Barsch). Nachschärfen geht mit einer feinen Hakenfeile oder einem Diamantschleifer in Richtung der Spitze, nicht dagegen; bei kleinen Haken lohnt der Aufwand meist nicht, dort ist der Wechsel schneller und zuverlässiger.
Rechtliche Vorgaben zu Haken
Die zulässige Zahl der Haken je Rute, das Verbot bestimmter Hakenarten und teils auch die Pflicht zu widerhakenlosen Haken regeln die Landesfischereigesetze und vor allem die Gewässerordnungen der Vereine und Pächter – bundesweit einheitliche Regeln gibt es dafür nicht. Verbreitet, aber je nach Gewässer unterschiedlich, sind etwa Beschränkungen auf einen Haken beim Angeln mit Naturköder, Drillingsverbote an Salmonidengewässern und Vorgaben zur Verwendung widerhakenloser Haken in Catch-&-Release-nahen Strecken. Verbindlich ist immer der Text auf der Angelkarte beziehungsweise in der Gewässerordnung – im Zweifel dort nachlesen, bevor die Montage gebunden wird.
Wenn der Haken tief sitzt – oder im Finger
Sitzt ein Haken tief im Schlund, ist das Abschneiden des Vorfachs fast immer schonender als der Versuch, ihn herauszuziehen (ausführlich im Ratgeber-Artikel zu Catch & Release). Für den Angler selbst gilt: Ein Haken im Finger ist ein Arztfall, kein Feldversuch – zieht man ihn gegen den Widerhaken heraus, reißt er die Wunde auf. Bis zur ärztlichen Versorgung sollten Schnur und Köder abgekniffen und der Haken fixiert werden. Eine kleine Zange mit Seitenschneider gehört deshalb genauso zur Grundausstattung wie ein Pflaster.