
Grafik: Rick Wallace · Flickr (CC BY 2.0)
So wird er gemacht
- 1Schnur durch die Hakenöse führen und hinter die Hauptschnur legen – es entsteht eine Schlaufe.
- 2Das Ende von hinten durch diese Schlaufe führen – eine zweite Schlaufe bildet sich.
- 3Das Ende 2 Mal durch die zweite Schlaufe wickeln.
- 4Anfeuchten und langsam festziehen.
- 5Ende auf 2 mm abschneiden.
Wofür er gebaut ist
Der Orvis Tippet Knoten ist der Kompromiss, den viele Fliegenfischer suchen: fast so schnell wie der Davy, aber deutlich tragkraftstärker, und dabei kompakter als ein Clinch. Er entstand aus einem Knotenwettbewerb und hat sich durchgesetzt, weil er auch mit sehr feinen Vorfachspitzen und kleinen Hakenösen zuverlässig hält – genau die Kombination, bei der klassische Wickelknoten ihre Schwäche zeigen. Er funktioniert mit Monofil und Fluorocarbon gleichermaßen.
Tragkraft und typische Fehler
Der Knoten besteht aus einer Figur, durch die das Ende zweimal geführt wird – wird nur ein Durchgang gemacht, hält er deutlich schlechter, und der Fehler fällt beim Binden kaum auf. Vor dem Zuziehen prüfen, ob beide Windungen sauber übereinanderliegen. Wie bei allen feinen Vorfächern gilt: gut anfeuchten und langsam schließen, sonst schädigt die Reibungshitze genau die dünnste Stelle des Systems. Das Ende kurz, aber nicht bündig kürzen.
Wann ein anderer Knoten besser passt
Wenn die Fliege exakt in Verlängerung des Vorfachs stehen soll – gebogenes Öhr, Trockenfliege – bleibt der Turle die funktional richtige Wahl. Wenn Geschwindigkeit alles ist und der Fisch gerade steigt, ist der Davy in der Hälfte der Zeit gebunden. Für alles dazwischen, und das ist der größte Teil der Fliegenfischerei, ist der Orvis Tippet Knoten schwer zu schlagen.
Material und Schnurart
Der Orvis Tippet Knoten funktioniert mit Monofil und Fluorocarbon gleichermaßen gut, weil sein doppelter Durchgang durch die entstehende Schlaufe genug Reibschluss erzeugt, um auf beiden Materialien zuverlässig zu halten – anders als reine Wickelknoten ist er dadurch weniger empfindlich gegenüber der etwas glatteren Oberfläche von Fluorocarbon. Gerade bei sehr feinen Vorfachspitzen unter 0,15 Millimetern, wie sie für vorsichtige Fische in klarem Wasser gebraucht werden, zeigt sich sein Vorteil gegenüber einem einfachen Clinch: Die kompaktere Bauform verteilt die Last gleichmäßiger und reißt seltener genau an der dünnsten Stelle. Mit geflochtener Schnur wird der Knoten in der Fliegenfischerei nicht eingesetzt, aus demselben Grund wie beim Turle und beim Davy – ein Fliegenvorfach ist grundsätzlich Monofil oder Fluorocarbon, nie Geflecht. Bei kräftigerem Fluorocarbon für Streamer und größere Nymphen ab etwa 0,30 Millimetern bleibt der Knoten gut bindbar, verliert aber seinen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber einem Davy, weil das steifere Material beim Formen der doppelten Schlaufe mehr Sorgfalt verlangt.
Meine Empfehlung
Für mich ist der Orvis Tippet Knoten der Standardknoten an der Fliege geworden, wenn ich mich nicht zwischen Tempo und Tragkraft entscheiden will – für die meisten Tage am Wasser ist genau das der richtige Kompromiss.
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