Gewicht aus der Länge schätzen

Aus der gemessenen Länge und dem Korpulenzfaktor der Art ein erwartetes Gewicht rechnen – dieselbe Formel, mit der Petri-KI Fänge gegen den Artdurchschnitt hält.

Von Volkan Alici, Petri-Labs, Hamburg · Stand 2026-09

Rechner

Esox lucius · K = 1,10 · typisch 30100 cm · Steckbrief

Nur Ziffern und ein Komma. Die Einheit steht fest – kein „cm“ ins Feld.

Geschätztes Gewicht

1,6 kg

G = K · L³ / 100 000 (kg, cm). Artdurchschnitt, grob gerundet – keine Wiegung.

Was die Zahl ist – und was sie nicht ist

Die Länge eines Fisches lässt sich am Wasser in Sekunden messen. Das Gewicht nicht: Eine Waage braucht Ruhe, eine hängende Fischwiege verzerrt an einem windigen Ufer, und viele Angler lassen den Fisch gar nicht erst so lange aus dem Wasser. Die Korpulenzformel füllt genau diese Lücke. Sie beschreibt nicht diesen einen Fisch, sondern den Artdurchschnitt: wie schwer ein Fisch dieser Art bei dieser Länge typischerweise ist. Ein laichreifer, tiefbauchiger Karpfen im Mai wiegt mehr als ein ausgezehrter im März bei gleicher Länge; ein Aal derselben Zentimeterzahl wiegt ein Vielfaches weniger als eine Schleie. Die Formel kennt diese Streuung nicht. Sie liefert eine Orientierung, keine Wiegung.

Wie gerechnet wird

Zugrunde liegt Fultons Korpulenzfaktor K. Das Gewicht in Kilogramm ergibt sich als K mal Länge in Zentimetern hoch drei, geteilt durch 100 000. Dieselbe Rechnung steht hinter der Plausibilitätsprüfung, wenn in der App ein Fang gespeichert wird, und hinter der Gegenprobe, falls die KI aus einem Foto kein Gewicht liefern konnte. Der Faktor K hängt an der Art: Ein Hornhecht ist nadelförmig (K = 0,15), ein Steinbutt fast so breit wie lang (K = 3,20). Die Werte kommen aus derselben Referenz, die die Datenbank für jede der 121 Arten im Lexikon führt – nicht aus einer frei gegriffenen Tabelle. Wer die Art wechselt, wechselt den Faktor; die Länge allein sagt über das Gewicht wenig.

Wann die Schätzung taugt

Im typischen Längenbereich der Art liegt die Formel nah an dem, was eine Waage später bestätigt – nah genug, um am Wasser zu entscheiden, ob der Fisch eher 800 Gramm oder eher zwei Kilo wiegt. Außerhalb dieses Bereichs wächst der Fehler. Sehr kleine Fische der Art sind oft schlanker als der Mittelwert, Rekordfische oft fülliger. Laich, Hungerperioden und der Unterschied zwischen Still- und Fließgewässer verschieben das Gewicht, ohne die Länge zu ändern. Deshalb rundet die Anzeige grob: Eine Angabe auf das Gramm wäre eine Genauigkeit, die das Verfahren nicht hat. Wer den Fisch wirklich wiegen will, wiegt ihn.

Die Schätzung bleibt eine Schätzung

Sie beschreibt einen durchschnittlich genährten Fisch dieser Art, nicht den in der Hand – ein abgelaichtes Weibchen wiegt bei gleicher Länge deutlich weniger als dasselbe Tier vor dem Laichen, ein Karpfen aus einem gefütterten Vereinsgewässer deutlich mehr als einer aus einem nährstoffarmen Fluss. Ob ein Fisch entnommen werden darf, beantwortet die Schonzeiten-Übersicht für das eigene Bundesland.

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