Worum es beim schonenden Abhaken geht
Zwischen dem Landen eines Fisches und seiner Freilassung oder Entnahme liegt ein kurzer, aber entscheidender Moment: das Abhaken. In dieser Zeit ist der Fisch bereits durch den Drill erschöpft, oft sauerstoffärmer versorgt als gewohnt, und jede zusätzliche Verzögerung oder unsachgemäße Handhabung erhöht den Stress zusätzlich. Ein Fisch, der schnell und ruhig vom Haken gelöst wird, erholt sich nach dem Zurücksetzen deutlich schneller als einer, bei dem das Abhaken lange dauert oder mit Hektik verbunden ist. Die Reihenfolge der Schritte – Fisch sichern, Haken lösen, gegebenenfalls fotografieren, zurücksetzen – sollte deshalb vor dem eigentlichen Fang schon feststehen, statt erst im Moment selbst improvisiert zu werden. Auch die Handhabung selbst spielt eine Rolle: Der Schleimschicht eines Fisches, die ihn vor Krankheitserregern schützt, wird durch trockene Hände oder ein Handtuch stärker beschädigt als durch feuchte Hände oder eine feuchte Abhakmatte.
Wie schonendes Abhaken in der Praxis aussieht
Eine vorbereitete Abhakmatte oder ein feuchtes Handtuch griffbereit zu haben, bevor der erste Fisch überhaupt gelandet ist, spart im entscheidenden Moment wertvolle Sekunden – Sekunden, die sich direkt auf die Erholungszeit des Fisches auswirken.
- Hände vor dem Berühren des Fisches anfeuchten, um die Schleimschicht zu schonen.
- Fisch möglichst wenig und wenn nötig mit feuchtem Untergrund statt trockenem Tuch fixieren.
- Bei einfach sitzendem Haken diesen mit einer Zange in Richtung des Eindringens lösen, nicht dagegen.
- Zeit außerhalb des Wassers so kurz wie möglich halten, besonders bei geplanter Freilassung.
- Nach dem Lösen den Fisch bei Bedarf im Wasser kurz erholen lassen, bevor er ganz losgelassen wird.
Meine Empfehlung
Warum ich die Ausrüstung fürs Abhaken vorher bereitlege
Meine Empfehlung: Zange, Abhakmatte oder feuchtes Tuch und gegebenenfalls die Kamera bereits vor dem ersten Wurf griffbereit auslegen, statt sie erst nach dem Fang hektisch zu suchen. Diese kurze Vorbereitung verkürzt die tatsächliche Handhabungszeit spürbar. Bei tief sitzenden oder schwer erreichbaren Haken verzichte ich lieber auf stundenlanges Herumhantieren und schneide das Vorfach möglichst nah am Haken ab, statt den Fisch durch anhaltendes Ziehen und Drücken zusätzlich zu belasten – ein im Fisch verbleibender Haken löst sich bei vielen Arten von selbst, deutlich schonender als ein erzwungenes Herausziehen. Bei kühleren Temperaturen und geplanter Freilassung nehme ich mir zudem bewusst etwas mehr Zeit für die Erholung im Wasser, bevor der Fisch endgültig schwimmt, weil sich die Sauerstoffaufnahme bei kaltem Wasser wieder schneller stabilisiert als bei warmem.
Typische Fehler beim Abhaken
Der häufigste Fehler ist, den Fisch mit trockenen Händen oder einem trockenen Tuch zu fixieren, wodurch die schützende Schleimschicht unnötig beschädigt wird. Der zweite ist, bei einem tief sitzenden Haken zu lange und zu kräftig zu ziehen, statt notfalls das Vorfach abzuschneiden. Ein dritter Fehler ist, die Zeit außerhalb des Wassers zu unterschätzen – jede zusätzliche Minute erhöht den Stress für den Fisch spürbar. Ein vierter Fehler ist, einen erschöpften Fisch sofort nach dem Lösen des Hakens loszulassen, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, sich kurz im Wasser zu erholen.
Wann ein anderes Vorgehen wichtiger wird
Bei einem Fisch, der entnommen und getötet werden soll, verschiebt sich der Fokus vom schonenden Zurücksetzen auf eine zügige, weidgerechte Betäubung und Tötung – die entsprechenden Schritte stehen im Ratgeber-Artikel zum weidgerechten Betäuben und Töten. Bei sehr tief geschlucktem Haken gewinnt das eigenständige Thema der tiefen Verhakung mehr Gewicht als das allgemeine Abhaken. Bei Arten mit Giftstacheln oder scharfen Kiemendeckeln steht zuerst die eigene Sicherheit im Vordergrund, bevor überhaupt abgehakt wird.
Ob die gefangene Art entnommen werden darf, steht je Bundesland in der Schonzeiten-Übersicht, mit Fundstelle und Prüfdatum.