Widerhaken und schonendes Lösen: der Unterschied im Detail

Ein Widerhaken hält den Köder sicher am Haken, erschwert aber das schonende Lösen erheblich. Was ein plattgedrückter oder barbless Haken in der Praxis verändert.

Stand: 2026-095 Abschnitte~2 Min. Lesezeit

Von Volkan Alici, Petri-Labs, Hamburg · Stand 2026-09

Was ein Widerhaken bewirkt — und was er erschwert

Ein Widerhaken ist eine kleine, zurückgebogene Spitze knapp hinter der Hakenspitze, die verhindern soll, dass der Köder oder der Fisch beim Anziehen der Schnur wieder abrutscht. Diese Funktion ist besonders beim Werfen mit Naturköder nützlich, wo der Köder sonst leicht vom Haken rutschen könnte. Beim Lösen aus dem Fischmaul kehrt sich dieser Vorteil jedoch um: Derselbe Widerhaken, der das Abrutschen verhindert, erschwert auch das Herausziehen erheblich und kann dabei zusätzliches Gewebe im Maul des Fisches verletzen, verglichen mit einem glatten, widerhakenlosen Haken. Ein plattgedrückter Widerhaken – mit einer Zange sanft an die Hakenspitze angelegt – behält dabei einen Großteil der ursprünglichen Haltefunktion, weil die grundlegende Hakenform unverändert bleibt, erleichtert das spätere Lösen aber deutlich, weil die zurückhaltende Spitze entfällt.

Wie sich Widerhaken sinnvoll handhaben lassen

Der Unterschied in der Haltekraft zwischen einem Haken mit und ohne Widerhaken ist in der Praxis geringer, als viele Angler zunächst annehmen – solange die Schnur während des Drills konstant straff gehalten wird, bleibt ein Fisch auch am widerhakenlosen Haken zuverlässig gehakt.

  1. Widerhaken mit einer Flachzange vorsichtig an die Hakenspitze andrücken, statt sie ganz abzubrechen.
  2. Bei Naturköder auf ausreichend straffe Schnurführung achten, um den Verlust der Widerhakenfunktion auszugleichen.
  3. Beim Kauf gezielt nach bereits widerhakenlosen oder speziell gefertigten Haken Ausschau halten.
  4. Nach dem Plattdrücken die Haltefunktion mit einem kurzen Test prüfen, bevor der eigentliche Angeltag beginnt.
  5. Bei geplanter Freilassung besonders konsequent auf widerhakenlose oder plattgedrückte Haken setzen.

Meine Empfehlung

Warum ich inzwischen fast ausschließlich plattgedrückte Haken einsetze

Meine Empfehlung: den Widerhaken bei den meisten Ködern und Situationen plattdrücken, statt ihn aus Gewohnheit zu belassen. Der Vorteil beim schonenden, schnellen Lösen überwiegt in meiner Erfahrung den geringen Nachteil bei der Haltekraft deutlich, sofern die Schnur während des Drills konsequent straff gehalten wird. Bei Ködern, die besonders leicht abrutschen können, etwa weiche Naturköder, behalte ich den Widerhaken gelegentlich bei, kompensiere das erschwerte Lösen dann aber durch besonders sorgfältiges und geduldiges Vorgehen beim Abhaken. Bei geplanter Freilassung, insbesondere bei stark befischten Gewässern mit hoher Wiederfangwahrscheinlichkeit, setze ich konsequent auf widerhakenlose Haken, weil ein Fisch dort über die Zeit mehrfach gefangen werden kann und jede unnötige Verletzung sich summiert.

Typische Fehler im Umgang mit Widerhaken

Der häufigste Fehler ist, den Widerhaken aus reiner Gewohnheit zu belassen, ohne den tatsächlichen Nutzen für die eigene Angelsituation zu hinterfragen. Der zweite ist, beim Plattdrücken so viel Kraft einzusetzen, dass die gesamte Hakenspitze beschädigt wird, statt nur die kleine Widerhakenspitze anzudrücken. Ein dritter Fehler ist, nach dem Plattdrücken nicht zu prüfen, ob die Haltefunktion noch ausreichend gegeben ist. Ein vierter Fehler ist, bei widerhakenlosem Haken die Schnurspannung während des Drills zu vernachlässigen, wodurch der Fisch tatsächlich häufiger ausschlitzt als notwendig.

Wann ein anderes Vorgehen wichtiger wird

Bei einem ohnehin zur Entnahme vorgesehenen Fisch verliert die Frage des Widerhakens an praktischer Bedeutung, weil das schonende Lösen für eine spätere Freilassung entfällt. Bei sehr tief geschlucktem Haken tritt die Widerhakenfrage gegenüber der Entscheidung Abschneiden oder Herausziehen in den Hintergrund. Bei Arten mit besonders empfindlichem, dünnem Maulgewebe gewinnt die generelle Vorsicht beim Lösen mehr Gewicht als die reine Widerhaken-Frage.

Mindestmaß und Schonzeit stehen je Art und Bundesland in der Schonzeiten-Übersicht, mit Fundstelle und Prüfdatum.

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