Worum es beim Fotografieren geht
Ein Fangfoto ist für viele Angler ein selbstverständlicher Teil des Erlebnisses – der Widerspruch zwischen einem guten Bild und schonendem Umgang mit dem Fisch entsteht aber selten durch das Fotografieren selbst, sondern durch mangelnde Vorbereitung davor. Wer erst nach der Landung anfängt, Kamera und Licht einzurichten, verlängert die Zeit außerhalb des Wassers unnötig. Der richtige Griff spielt für das Bild wie für den Fisch eine Rolle: Größere Fische sollten waagerecht und mit beiden Händen gestützt gehalten werden, nicht nur an der Kiemenregion oder am Kiefer hängend, was innere Organe und Kiefermuskulatur unnötig belasten kann. Auch die Nähe zum Wasser während des Fotografierens ist relevant – ein Fisch, der über festem Untergrund statt über dem Wasser selbst gehalten wird, riskiert bei einer plötzlichen Bewegung eine schmerzhafte, vermeidbare Verletzung.
Wie sich ein gutes Foto schonend gestalten lässt
Ein zweiter Angler, der die Kamera bedient, während der erste den Fisch möglichst kurz und ruhig hält, beschleunigt den gesamten Vorgang erheblich gegenüber einer Einzelperson, die zwischen Fischhaltung und Kamerabedienung wechseln muss.
- Kamera, Einstellungen und Standort vor dem Landen des Fisches vorbereiten, nicht erst danach.
- Größere Fische waagerecht mit beiden Händen stützen statt einhändig oder senkrecht zu halten.
- Nah am oder über dem Wasser fotografieren, nicht über hartem, trockenem Untergrund.
- Feuchte Hände verwenden, um die Schleimschicht beim Halten zu schonen.
- Die Anzahl der Aufnahmen begrenzen, statt mehrere Minuten für die perfekte Pose zu investieren.
Meine Empfehlung
Warum ich die Aufnahmezeit bewusst begrenze
Meine Empfehlung: sich vor dem Fangen bereits eine grobe Obergrenze für die Zeit außerhalb des Wassers setzen, etwa wenige Sekunden für das eigentliche Foto, und diese konsequent einhalten, statt für ein perfektes Bild mehrere Anläufe zu nehmen. Ein spontanes, leicht unperfektes Foto ist in meinen Augen die bessere Wahl als ein Fisch, der durch mehrfaches Wiederaufnehmen unnötig zusätzlich gestresst wird. Bei größeren, kräftigeren Fischen fotografiere ich zudem bevorzugt möglichst nah über der Wasseroberfläche, sodass ein unerwartetes Zappeln den Fisch direkt zurück ins Wasser statt auf harten Untergrund fallen lässt. An heißen Sommertagen verzichte ich eher auf ein längeres Fotoshooting und beschränke mich auf ein einzelnes, schnelles Bild, weil sich ein Fisch unter solchen Bedingungen ohnehin schon in einer stressigeren Ausgangslage befindet.
Typische Fehler beim Fotografieren
Der häufigste Fehler ist unzureichende Vorbereitung der Kamera, wodurch sich die Zeit außerhalb des Wassers unnötig verlängert. Der zweite ist ein falscher Griff, bei dem größere Fische nur einhändig oder an empfindlichen Stellen wie den Kiemen gehalten werden. Ein dritter Fehler ist, mehrere Aufnahmen mit langen Pausen dazwischen zu machen, statt sich auf einen zügigen, gut vorbereiteten Moment zu konzentrieren. Ein vierter Fehler ist, den Fisch für das Foto über trockenem, hartem Untergrund statt über oder direkt am Wasser zu halten.
Wann ein anderes Vorgehen wichtiger wird
Bei sehr kleinen, ohnehin kurzlebigen Fischarten überwiegt oft die Frage, ob ein Foto angesichts der geringen Größe überhaupt sinnvoll ist, gegenüber der genauen Fototechnik. Bei einem für die Entnahme vorgesehenen Fisch tritt die Frage des schonenden Fotografierens gegenüber der eigentlichen, weidgerechten Tötung in den Hintergrund. Bei giftigen oder mit scharfen Stacheln versehenen Arten hat die eigene Sicherheit beim Halten Vorrang vor der Bildkomposition.
Mindestmaß und Schonzeit der fotografierten Art stehen je Bundesland in der Schonzeiten-Übersicht, mit Fundstelle und Prüfdatum.