Warum Hitze das Handling zusätzlich erschwert
Warmes Wasser kann deutlich weniger gelösten Sauerstoff aufnehmen als kühles – eine physikalische Eigenschaft, die Fische bei hohen Sommertemperaturen zusätzlich belastet, noch bevor sie überhaupt gedrillt werden. Ein Fisch, der bei solchen Bedingungen gefangen wird, startet den Drill bereits mit einer schlechteren Sauerstoffversorgung als im Frühjahr oder Herbst. Die Erholung nach dem Drill dauert unter warmen, sauerstoffarmen Bedingungen entsprechend länger, und die Fehlertoleranz beim Handling sinkt: Was bei kühlem Wasser noch gut verkraftet wird, kann bei sommerlicher Hitze bereits die Grenze zur Überforderung des Fisches überschreiten. Besonders in flachen, stark besonnten Gewässerbereichen kann sich die Wassertemperatur zusätzlich über die allgemeine Lufttemperatur hinaus erhöhen, was das Risiko für gefangene Fische an genau diesen Stellen noch verschärft.
Wie sich Handling bei Hitze anpassen lässt
Ein einfacher Test vor dem endgültigen Loslassen zeigt, ob ein Fisch ausreichend erholt ist: Lässt er sich sanft im Wasser halten und schwimmt bei Loslassen aus eigener Kraft zügig davon, statt seitlich abzutreiben oder an der Oberfläche zu verharren, ist die Erholung meist ausreichend.
- Drillzeiten bei hohen Wassertemperaturen bewusst kurz halten, etwa durch kräftigeres Gerät.
- Zeit außerhalb des Wassers auf ein Minimum reduzieren, insbesondere für Fotos.
- Erholungszeit im Wasser vor dem endgültigen Loslassen bei Hitze eher verlängern statt verkürzen.
- Besonders heiße, flache Gewässerbereiche für ein gezieltes Fischen auf empfindliche Arten meiden.
- Bei erkennbarem Sauerstoffmangel im Gewässer, etwa an der Oberfläche schnappenden Fischen, das Angeln ganz einstellen.
Typische Fehler bei Hitze
Der häufigste Fehler ist, weiterhin in den heißesten Mittagsstunden zu angeln, obwohl sowohl Erfolg als auch Rücksicht auf die Fische in dieser Zeit deutlich schlechter ausfallen. Der zweite ist, Drillzeiten bei warmem Wasser nicht bewusst zu verkürzen, obwohl die Erholungsfähigkeit der Fische unter diesen Bedingungen eingeschränkt ist. Ein dritter Fehler ist, Anzeichen von Sauerstoffmangel wie an der Oberfläche schnappende Fische zu übersehen und trotzdem unverändert weiterzufischen. Ein vierter Fehler ist, die Erholungszeit im Wasser vor der endgültigen Freilassung bei Hitze genauso kurz zu bemessen wie bei kühleren Temperaturen.
Wann ein anderes Vorgehen wichtiger wird
Bei kühlen Wassertemperaturen im übrigen Jahresverlauf tritt die besondere Hitzevorsicht in den Hintergrund; dort gilt allgemeines, schonendes Handling. Bei tiefen, kühleren Gewässerbereichen, die von der sommerlichen Erwärmung weniger betroffen sind, sinkt das Risiko entsprechend. Bei einem zur Entnahme vorgesehenen Fisch verschiebt sich der Fokus ohnehin auf eine zügige, weidgerechte Tötung statt auf die Erholung nach dem Zurücksetzen.
Ob die gefangene Art entnommen werden darf, steht je Bundesland in der Schonzeiten-Übersicht, mit Fundstelle und Prüfdatum.