Worum es beim tief geschluckten Haken geht
Gelegentlich nimmt ein Fisch den Köder so tief auf, dass der Haken weit im Rachen- oder Kiemenbereich sitzt, statt gut sichtbar im vorderen Maulbereich. In dieser Situation steht die Entscheidung an, ob der Haken vorsichtig entfernt oder besser im Fisch belassen und das Vorfach möglichst nah abgeschnitten wird. Der Versuch, einen tief sitzenden Haken mit Gewalt oder speziellem Werkzeug zu entfernen, birgt ein erhebliches Verletzungsrisiko für empfindliche innere Strukturen und verlängert zugleich die Zeit, die der Fisch außerhalb des Wassers oder in gestresster Lage verbringt. Untersuchungen zum Rückgang der Überlebensrate bei erzwungenem Herausziehen tief sitzender Haken haben diese Praxis in vielen Fällen zugunsten des Abschneidens verändert. Viele moderne Hakenmaterialien korrodieren im Fisch mit der Zeit und lösen sich von selbst, was das Belassen des Hakens bei tiefer Verhakung zu einer praktikablen, oft schonenderen Alternative macht als der riskante Entfernungsversuch.
Wie sich eine tiefe Verhakung richtig einschätzen lässt
Eine kurze, ruhige Kontrolle mit den Fingern oder einer Taschenlampe genügt meist, um zu erkennen, ob ein Haken gut sichtbar und leicht erreichbar sitzt oder ob er tiefer im Rachenraum verschwunden ist – im zweiten Fall ist Abschneiden fast immer die bessere Entscheidung.
- Vor jedem Entfernungsversuch prüfen, ob der Haken im gut sichtbaren, vorderen Maulbereich sitzt.
- Bei nicht sofort erkennbarer Position nicht blind mit der Zange hantieren.
- Das Vorfach möglichst nah am Maul abschneiden, wenn der Haken nicht leicht erreichbar ist.
- Widerhakenlose oder gequetschte Haken bevorzugen, weil sie sich im Zweifel leichter und schonender lösen lassen.
- Nach dem Abschneiden den Fisch möglichst zügig, aber ruhig zurücksetzen.
Meine Empfehlung
Warum ich bei Unsicherheit konsequent abschneide statt zu ziehen
Meine Empfehlung: im Zweifel immer zum Abschneiden des Vorfachs statt zum Herausziehen tendieren, sobald der Haken nicht auf den ersten Blick eindeutig erreichbar ist. Der kurze Verlust an Angelmaterial wiegt aus meiner Sicht die deutlich höhere Überlebenschance des Fisches nicht auf. Bei häufigem Tiefschlucken derselben Fischart oder Köderpräsentation überdenke ich zudem grundsätzlich die Montage – oft liegt die Ursache in zu langem Warten vor dem Anschlag, das sich durch aufmerksameres Fischen künftig vermeiden lässt. Für genau solche Situationen habe ich stets eine kräftige Vorfachschere griffbereit, statt im entscheidenden Moment lange danach suchen zu müssen.
Typische Fehler bei tief geschluckten Haken
Der häufigste Fehler ist, trotz erkennbar tiefer Verhakung mit Gewalt am Haken zu ziehen, statt das Vorfach abzuschneiden. Der zweite ist, blind mit einer Zange in den Rachenraum zu greifen, ohne die genaue Hakenposition zu kennen. Ein dritter Fehler ist, die Ursache für häufiges Tiefschlucken nicht zu hinterfragen, obwohl sich die Anschlagzeit oder Montage oft entsprechend anpassen ließe. Ein vierter Fehler ist, keine geeignete Schere für genau diesen Fall dabei zu haben und stattdessen mit ungeeignetem Werkzeug zu improvisieren.
Wann ein anderes Vorgehen wichtiger wird
Bei einem ohnehin zur Entnahme vorgesehenen Fisch verliert die Frage des schonenden Belassens an Bedeutung, weil der Fisch direkt weidgerecht getötet wird. Bei sehr kleinen Fischarten mit entsprechend kleinen, leichteren Haken ist ein tiefes Verschlucken seltener problematisch als bei großen, kräftigen Haken. Bei generell hoher Rate an Tiefschluckern über mehrere Angeltage hinweg wird die grundsätzliche Montage- und Köderwahl wichtiger als der Einzelfall am Wasser.
Ob die gefangene Art entnommen werden darf, steht je Bundesland in der Schonzeiten-Übersicht, mit Fundstelle und Prüfdatum.