Barotrauma: wenn der Druckunterschied dem Fisch schadet

Fische, die aus größerer Tiefe gefangen werden, können durch den schnellen Druckunterschied ein Barotrauma erleiden. Was das bedeutet, und wie sich richtig damit umgehen lässt.

Stand: 2026-095 Abschnitte~3 Min. Lesezeit

Von Volkan Alici, Petri-Labs, Hamburg · Stand 2026-09

Was ein Barotrauma ist und wann es auftritt

Viele Fischarten besitzen eine Schwimmblase, die ihnen hilft, ihren Auftrieb in einer bestimmten Wassertiefe zu regulieren. Wird ein Fisch aus größerer Tiefe schnell an die Oberfläche gebracht, kann sich das Gas in dieser Schwimmblase durch den plötzlichen Druckabfall stark ausdehnen, schneller als der Fisch es auf natürlichem Weg ausgleichen kann – ein Zustand, der als Barotrauma bezeichnet wird. Sichtbare Anzeichen können eine überdehnte, aus dem Maul hervortretende Speiseröhre, hervortretende Augen oder ein Fisch sein, der trotz gesunder Erscheinung nicht mehr selbstständig abtauchen kann und stattdessen an der Oberfläche treibt. Nicht jeder aus der Tiefe gefangene Fisch zeigt zwingend diese Symptome, die Wahrscheinlichkeit steigt aber mit zunehmender Fangtiefe. Ein Fisch mit Barotrauma, der einfach zurückgesetzt wird, kann trotz äußerlich unversehrtem Zustand an der Oberfläche treiben bleiben und dort leichte Beute für Vögel oder andere Räuber werden, weil er sich nicht mehr aktiv unter Wasser halten kann.

Wie sich ein Barotrauma erkennen und behandeln lässt

Das kontrollierte Zurückbringen eines betroffenen Fisches in tieferes Wasser mit einer beschwerten Klammer oder Vorrichtung, die sich beim Erreichen der Tiefe von selbst löst, hat sich in Untersuchungen als deutlich wirksamer erwiesen als das bloße Zurückwerfen an der Oberfläche.

  1. Auf sichtbare Anzeichen wie hervortretende Augen oder eine überdehnte Speiseröhre achten.
  2. Prüfen, ob der Fisch nach dem Zurücksetzen selbstständig abtauchen kann.
  3. Bei Fischen, die nicht abtauchen können, eine Entlüftungshilfe in Betracht ziehen, sofern fachgerecht angewendet.
  4. Alternativ den Fisch mit einer beschwerten Vorrichtung kontrolliert zurück in die Fangtiefe bringen.
  5. Bei ausgeprägtem Barotrauma und geplanter Freilassung die Rückkehrfähigkeit des Fisches aktiv beobachten, statt ihn unkontrolliert schwimmen zu lassen.

Meine Empfehlung

Warum ich beim Fischen in größerer Tiefe das Risiko vorher einplane

Meine Empfehlung: beim gezielten Fischen in größerer Tiefe von vornherein einplanen, dass ein Teil der gefangenen Fische ein Barotrauma zeigen könnte, und die passende Ausrüstung dafür bereits am Wasser dabeihaben, statt erst im Ernstfall zu improvisieren. Bei Arten, die für Barotrauma besonders anfällig sind, wähle ich bewusst kürzere Drillzeiten und ein zügigeres, aber kontrolliertes Heraufholen, weil eine unnötig verlängerte Zeit im Drillverlauf das Risiko zusätzlich erhöhen kann. Zeigt ein Fisch deutliche Anzeichen und lässt sich keine geeignete Entlüftungshilfe fachgerecht anwenden, entscheide ich mich eher für die kontrollierte Rückführung in die Tiefe mit einer beschwerten Vorrichtung als für ein bloßes Zurückwerfen an der Oberfläche.

Typische Fehler im Umgang mit Barotrauma

Der häufigste Fehler ist, einen sichtlich betroffenen Fisch einfach an der Oberfläche zurückzusetzen, ohne die Rückkehrfähigkeit zu prüfen. Der zweite ist, gänzlich unvorbereitet auf das Thema zu sein, obwohl es beim gezielten Fischen in größerer Tiefe absehbar auftreten kann. Ein dritter Fehler ist der unsachgemäße Einsatz einer Entlüftungshilfe ohne ausreichende Kenntnis der richtigen Technik, was mehr schaden als nützen kann. Ein vierter Fehler ist, das Thema komplett zu ignorieren, weil es seltener diskutiert wird als andere Handling-Fragen, obwohl es für bestimmte Fangsituationen sehr relevant sein kann.

Wann ein anderes Vorgehen wichtiger wird

Beim Fischen in flachem Wasser ohne relevanten Tiefenunterschied tritt das Thema Barotrauma praktisch nicht auf; dort zählt das allgemeine, schonende Abhaken mehr. Bei einem zur Entnahme vorgesehenen Fisch verliert die Frage der Rückführung in die Tiefe ihre praktische Bedeutung. Bei extrem kurzen Drillzeiten aus geringer Tiefe ist das Risiko eines Barotraumas ohnehin gering und tritt hinter andere Handling-Fragen zurück.

Mindestmaß und Schonzeit stehen je Art und Bundesland in der Schonzeiten-Übersicht, mit Fundstelle und Prüfdatum.

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